Unterwegs mit dem Laowa 15mm f/4.5 Zero-D Shift

Architekturfotografie ist geprägt von Weitwinkel-Aufnahmen, da im urbanen Raum oft wenig Platz und Möglichkeiten existieren, um längere Brennweiten sinnvoll nutzen zu können. Dabei ergibt sich häufig das Problem, dass Gebäude perspektivisch nicht korrekt aufgenommen werden können und unschöne stürzende Linien entstehen. Solche perspektivischen Verkippungen können zwar per Software korrigiert werden, jedoch ist dies mit Auflösungsverlusten und Bildbeschneidungen verbunden. Mit Shift-Objektiven können stürzende Linien direkt vermieden werden und sie bieten dabei eine höhere Bildqualität ohne Auflösungsverluste, da die Entzerrung optisch und nicht im Postprocessing passiert. Genau hierfür wurde das Laowa 15mm f/4.5 Zero-D Shift entwickelt.

Ice Queen
Tempodrom Berlin, vertikales Shift-Panorama aus zwei horizontalen Aufnahmen, Belichtung: 0.4 s, f/16, ISO 100.

Avalon II
Insel der Jugend im Treptower Park, horizontales Shift-Panorama aus drei vertikalen Aufnahmen mit ND-Filter, Belichtung: 75 s, f/11, ISO 100.

Das Objektiv ist in zwei Varianten für alle gängigen Bajonettanschlüsse erhältlich. Äußerlich unterscheiden sich beide Varianten nur durch einen blauen bzw. roten Farbring an der Front. Die blaue Variante besitzt 5 Blendenlamellen, die neuere rote Variante ist mit 14 Blendenlamellen ausgestattet und trägt zusätzlich ein “R” im Namen. Im optischen Aufbau sind beide identisch, sodass sich der Unterschied auf eine etwas weniger präsente Ausbildung von Beugungssternen an hellen punktförmigen Lichtquellen, sowie auf ein etwas runder abgebildetes Bokeh bei der roten Variante beschränkt. In der Architekturfotografie wird das Bokeh jedoch kaum eine Rolle spielen, da der scharf abgebildete Bereich (Schärfentiefe) bei einem Objektiv mit 15mm Brennweite bereits ab Blende f/8 bis ins unendliche reicht (Stichwort hyperfokale Distanz).

Die hier von mir getestete blaue Variante ist mit Sony E-Mount ausgestattet und wurde an der Sony Alpha 7R und 7Rii verwendet. Nutzt man mit diesen Kameras den vollen Shift-Bereich von ±11mm z.B. vertikal aus, so können unbeschnittene Bilder mit 69 Megapixeln oder mehr erzeugt werden. Die dabei effektiv genutzte Sensorfläche der Kamera (im Vollformat 24mm x 36mm) vergrößert sich auf 46mm x 36mm und ist damit größer als der Bildsensor der Mittelformatkamera Fuji GFX (44mm x 33mm). Durch das Zusammensetzen mehrerer Aufnahmen mit horizontalem, vertikalem und diagonalem Shift kann man nahezu den gesamten Bildkreis des Objektivs ausnutzen und dadurch das Bildfeld deutlich erweitern. Die Abbildung des Shift-Bereichs zeigt maßstabsgetreu die Bildabdeckung des vom Objektiv erzeugten 65mm Bildkreis bei vollem Shift mit einem Vollformatsensor im Querformat. Die äußeren Bildecken sind durch die ±11mm Shift begrenzt, sodass man je nach gewünschtem Format einen maximalen rechteckigen Bildausschnitt erhält.

Shift-Bereich des Laowa 15mm f/4.5 Zero-D Shift am Vollformat (24mm x 36mm).

Ich habe das Objektiv zusammen mit dem separat erhältlichen Laowa Shift Lens Support verwendet, mit dem das Objektiv fest mit dem Stativ verbunden ist und nicht wie üblich die Kamera, sodass sich geshiftete Aufnahmen ohne perspektivische Verschiebungen (Parallaxenfehler) zu Panoramen zusammensetzen lassen. Für Langzeitbelichtungen habe ich zusätzlich einen Clip-In ND-Filter verwendet, welcher im Kameragehäuse direkt vor dem Sensor eingesetzt wird und damit unabhängig vom verwendeten Objektiv genutzt werden kann.

Erster Eindruck und Handhabung

Entfernt man die vordere Schutzkappe, so fällt als erstes die weit nach vorn gewölbte Frontlinse auf. Da keine zusätzliche Streulichtblende vorhanden ist, ist hier also etwas Vorsicht geboten. Die Verarbeitungsqualität lässt keine Wünsche offen, das Objektiv ist vollständig aus Metall gefertigt und wirkt sehr wertig. Alle Einstellungen werden manuell verstellt, eine elektronische Anbindung an die Kamera gibt es nicht. Ein wirklicher Nachteil ist das aber keineswegs, da man so die volle Kontrolle über alle Funktionen behält und nichts der Kamera überlässt.
Die Fokussierung lässt sich sehr präzise verstellen und hat einen angenehmen Widerstand. Die Blende wird über einen schmaleren Ring verstellt, welche mit einem sanften Klick spürbar in den vollen Blendenstufen einrastet. Der Shift-Bereich von ±11mm wird ebenso über einen Drehring verstellt und kann per Feststellschraube fixiert werden. Direkt dahinter kann über einen Druckknopf die Kamera zum Objektiv frei in 15 Grad-Schritten verdreht werden, sodass Shift-Aufnahmen in vertikaler, horizontaler, oder beliebiger diagonaler Richtung möglich sind.

Bildqualität

Um eine möglichst hohe Bildschärfe und Schärfentiefe bei gleichzeitig geringer Vignettierung zu erhalten, habe ich das Objektiv hauptsächlich mit Blende 11 oder 16 verwendet. Im Ergebnis wird man mit einer nahezu gleichbleibenden Bildschärfe vom Bildzentrum (ohne Shift) bis in die äußersten Randbereiche bei vollem Shift belohnt. Die Vignettierung ist dabei gering und fällt erst im äußeren Randbereich bei vollem Shift auf. Das ist sehr beeindruckend.
Chromatische Aberrationen sind minimal vorhanden, fallen aber im Vergleich zu Objektiven anderer namhafter Hersteller sehr gering aus. Die Bezeichnung “Zero-D” wird von Laowa für verzeichnungsfreie Objektive verwendet. Ich konnte in meinen Aufnahmen keine sichtbaren Verzeichnungen feststellen, was für ein Spezialobjektiv dieser Art aber auch zu erwarten war.

Fazit

Das Laowa 15mm f/4.5 Zero-D Shift eignet sich besonders für Architekturbegeisterte, die Wert auf höchste Qualität im Ergebnis legen und sich mit Begeisterung der langsameren manuellen Fotografie widmen. Mit wenigen Handgriffen ergeben sich perfekt ausgerichtete Aufnahmen ohne stürzende Linien sowie Panoramen, die sich durch einfaches aneinandersetzen und ohne digitale Entzerrung oder Stitching-Artefakte verbinden lassen.

Das Laowa 15mm f/4.5 Zero-D Shift wurde mir freundlicherweise kostenlos von Laowa Deutschland zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.